Zur Auswahl „angemessener“ Literaturquellen

Wo finde ich Literaturmaterial für meine Arbeit? Welche Quellen soll ich zitieren? Bewertende schauen in der Regel, ob die Arbeit „angemessene“ Quellen zitiert. Aber was heißt das eigentlich?

Publikationsformen als Bewertungskriterium

Um die Qualität zu Grunde gelegter Literatur zu bewerten, schaue ich mir als Bewertende erst einmal die Art der Quelle an. Mit anderen Worten schaue ich mir das Verhältnis der zitierten Beiträge aus wissenschaftlichen Zeitschriften – Journals – im Vergleich zu anderen Publikationsformen wie beispielsweise Bücher, praxisorientierte Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, Internetquellen oder Geschäftsberichte usw.an.

Zitiert die Verfasserin/der Verfasser hauptsächlich wissenschaftliche Journals, dann entspricht das meiner Erwartung. Es ist o. k., andere Publikationsformen wie wissenschaftliche Zeitschriftenbeiträge zu zitieren. Aber wenn die Arbeit nicht gerade eine Inhaltsanalyse dieser Medien ist, dann solltest du sie im Verhältnis eher weniger und an dafür geeigneten Stellen zitieren.

Spitzenforschung wird in Fachzeitschriften veröffentlicht

Du wirst dich jetzt fragen: Bücher? Was ist daran falsch, aus Büchern zu zitieren? Nichts. Nur solltest du wissen, dass Spitzenforschung in der Regel nicht mehr in Büchern veröffentlicht wird. Es sei denn, du bist Nobelpreisträger und fasst deine Werke populärwissenschaftlich zusammen. Wissenschaftler publizieren ihre besten Arbeiten in Fachzeitschriften ihres Gebiets – Journals. Diese Journals unterliegen einem doppelt blinden Begutachtungsprozess. Wissenschaftler reichen ihre Arbeiten ein. Diese werden anonym an mehrere Gutachter weitergeleitet. Die Autoren erhalten sie mit Anmerkungen und Verbesserungsvorschlägen zur Überarbeitung zurück. Du solltest wissen, dass die „Top-Journals“ einen Großteil der Manuskripte ablehnt. Sie haben teilweise eine Akzeptanzrate von lediglich 2-3 %.

Auf die Sprache kommt es an

Ich verwende nicht umsonst Anglizismen in Zusammenhang mit wissenschaftlichen Zeitschriften. Spitzenforschung erscheint in englischer Sprache. Und deshalb ist zu erwarten, dass auch die zitierte Literatur überwiegend in englischer Sprache veröffentlicht ist.

Bücher und Buchbeiträge durchlaufen weniger Feedbackschleifen

Bücher und Buchbeiträge unterliegen nicht dem oben geschilderten harten Begutachtungsprozess. Sie werden teilweise auf Einladung geschrieben und nicht auf Herz und Nieren geprüft. Das bedeutet nicht, dass alle Bücher und Buchbeiträge qualitativ schlechter sind. Du solltest aber im Kopf haben, dass diese Arbeiten in der Regel nicht durch viele Feedbackschleifen gegangen sind. Sie haben wenig Einfluss auf die Reputation und deshalb veröffentlichen Wissenschaftler häufig nicht die besten Arbeiten in Büchern.

Internetquellen und praxisorientierte Publikationen zeigen Relevanz des Themas

Internetquellen ebenso wie praxisorientierte Zeitungs- und Zeitschriftenartikel sind in der Regel nicht der Kategorie „wissenschaftliche Publikation“ einzuordnen. Du solltest eher spärlich mit diesen Quellen umgehen. Sie eignen sich beispielsweise zur Begründung der Praxisrelevanz deines Themas. Du kannst damit zeigen, dass du ein aktuelles Thema bearbeitest, das die Praxis als Herausforderung diskutiert. Setze diese Quellen an dafür geeigneten Stellen ein. Beispielsweise ist es besser eine brandaktuelle Statistik zu zitieren, die du auf der Webseite von Statistik Austria oder dem Statistischen Bundesamt (Destatis) findest, als eine Statistik, die in einer wissenschaftlichen Publikation zitiert, aber längst veraltet ist.

Und was mit nicht veröffentlichten Arbeiten?

Selbstverständlich sind nicht veröffentlichte Arbeiten zitierfähiges Material! Wenn du also eine Bachelor- oder Masterarbeit für deine Forschungsarbeit heranziehen und zitieren möchtest, dann kannst du dies selbstverständlich tun. Abschlussarbeiten, und darunter fallen etwa auch Doktorarbeiten, müssen in Österreich nicht veröffentlicht werden. Und niemand wird bestreiten, dass sich gerade in diesen Arbeiten die aktuellsten Forschungsergebnisse finden!

Wenn du wissen willst, wie viele Quellen du zitieren sollst, dann findest du hier meinen Blogbeitrag zur empfohlenen Länge eines Literaturverzeichnisses. Wenn du erfahren möchtest, wie du die Qualität wissenschaftlicher Journals beurteilen kannst, gebe ich dir im Blogbeitrag „Zur Qualität von wissenschaftlichen Zeitschriften“ Hintergrundwissen an die Hand.,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.